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Sonntag, 1. Juni 2003


Bei lauen Nachtlüften legen wir ab. Wir motoren monoton ins Morgengrauen. Nachdem jeder im Laufe des Vormittags etwas Schlaf nachgeholt hat, ist die Zeit gekommen für ein kleines, stärkendes Fresserchen, das Friedhelm, Heinz und Richard liebevoll vorbereitet haben: Belegte Brote, Paprika, Tomaten, Oliven ...

"Wale voraus"! unterbricht Friedhelms Schrei die Stille, und alle stürzen zum Bug. Ein grandioses Schauspiel bietet sich uns. Wir nehmen die Verfolgung auf, um mit der Kamera Jagd auf die beeindruckenden Meeresriesen zu machen.

Kaum haben sich alle ein Plätzchen zum Relaxen erobert, entdeckt Claudia vier Delphine, die spielerisch die "Tawara" in einem halben Meter Abstand begleiten. Wieder stürtzen alle gen Bug, um die flinken Tiere zu beobachten.

Es dauert nicht lange, und Segelquallen werden entdeckt. Die Segelqualle (Velélla spirans, 1-5 cm), eine Staatsqualle des Mittelmeeres, segelt mit großer Gasblase vor dem Winde. Eine schier endlose Flotte gleitet uns entgegen, und Friedhelm angelt eine, um uns die zauberhaften, filigranen Meeresbewohner aus der Nähe zu präsentieren.

Mondfische winken kurze Zeit später freundlich mit ihrer Rückenflosse, und wir versuchen vorsichtig, uns ihnen zu nähern.

Mondfische (Orthagoriscidae) sind absonderlich geformte Fische von beinahe eiförmig-runder, scheibenartig abgeplatteter Gestalt und gehören zur Familie der Haftkiefer. Schwimmblase und aufblähbarer Schlundsack fehlen ihnen; auch erwachsene Tiere sind zahnlos. Die Haut ist dick und elastisch. Die mächtige Rücken- und Afterflosse stehen einander gegenüber und zwischen ihnen erstreckt sich ein welliger Hautsaum. Schwanzstiel und Schwanzflosse fehlen, daher auch der treffende Name "Schwimmender Kopf", den man diesen merkwürdigen Fischen gegeben hat.

Der Klump-, Mond- oder Sonnenfisch (Orthagoriscus mola) bewohnt die Hochsee und scheint über die wärmeren Teile aller Weltmeere verbreitet zu sein. Er ist dunkelbraun oder bleifarben. Seine Hauptnahrung sind Tintenfische und Krebse. Im äußersten Fall wird er bis 1000 kg schwer und 3 m lang. Häufig findet man ihn dicht unter der Oberfläche schwimmend oder auch wie schlafend am Wasserspiegel treiben. Naht man sich ihm vorsichtig, ist er leicht zu erbeuten. Seine Larven sind so abweichend gebaut, dass man sie früher als besondere Gattung Molacanthus beschrieben hat.

... und dann bekommen wir ganz überraschend noch einen kleinen Passagier. Eine erschöpfte Schafstelze wagt nach zögerlichen Versuchen die Landung auf unserem Schiff, fliegt wieder fort und kehrt kurze Zeit später zurück. Ermattet läßt sie sich direkt neben Frank nieder, beäugt ihn noch einmal skeptisch und gibt sich einer intensiven Gefiederpflege hin. Sichtlich erholt erhebt sich der kleine Kerl und fliegt munter über das Meer seinem Ziel entgegen und entschwindet unseren Blicken ...

Am späten Nachmittag erspähen wir Land. Nach dieser spannenden, abwechslungsreichen Überfahrt rückt die Festung von Calvi ins Bild.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Christoph Kolumbus habe in der Zitadelle von Calvi das Licht der Welt erblickt; eine Gedenktafel in der Rue Colombe weist auf die Mauerreste seines angeblichen Geburtshauses hin.

Und wer sich schon immer gefragt hat, wem der englische Admiral Lord Nelson seine Augenklappe verdankt, dem sei berichtet, dass er sein Auge 1794 in einer Seeschlacht vor Calvi einbüßte, in der Engländer und Franzosen um Korsika kämpften.

Mit Blick auf den bunt schillernden Quai Landry genießen wir heute Friedhelms vorzüglich zubereiteten Schweinebraten. Auf geht es an Land. Farbenfroh spiegeln sich die Lichter der vielen Cafés, Restaurants und Boutiquen und Souvenirläden im ruhigen Hafenwasser. Schon nach wenigen Schritten lassen wir uns in einer Bar zum Absacker nieder.

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